Kapitel 1

Es gab eine Straße und ein Haus und im Erdgeschoss des Hauses lag Agent Orange im Bett und schlief. Der Regen trommelte monoton gegen das Fenster, als ein lautes Grunzen unter der Bettdecke hervor ertönte und Agent Orange sich mit der Eleganz eines gestrandeten Wals umdrehte. „Uh. Mein Schädel“, brummte er und versuchte, sich an den gestrigen Abend zu erinnern. Er war durstig, doch zu faul, um aufzustehen, in die Küche zu gehen und etwas zu trinken. Ihm war schlecht und mit beiden Händen knetete er seinen enormen Bauch wie einen Teig. Der Geruch von Verwestem stieg ihm in die Nase.

„Was stinkt hier bloß so?“, grummelte er und strampelte mit den Beinen, um seine Katze, die für gewöhnlich am Fußende schlief, aus dem Bett zu kicken.

„Hast du wieder eine Maus unterm Bett vergammeln lassen? Flux? Fluxus?“ Mit seinen Füßen spürte er einen Widerstand und schob das Ding weiter von sich weg. Es fiel aus dem Bett und landete mit einem dumpfen Plumps auf dem Boden. Es klang ganz und gar nicht nach Katze. Fluxus, sein Kater, war normalerweise sehr gesprächig, doch an diesem Morgen gab er keinen einzigen Laut von sich. Fluxus regte sich nicht.

„Oh nein! Oh nein! Nein, nein nein! Fluxus!“ Agent Orange wälzte sich zum Fußende des Bettes, lag auf seinem massiven Bauch auf dem Bett und starrte fassungslos über die Bettkante auf das haarige tote Etwas. Einzig der üble Geruch von totem Fleisch war ein Indiz dafür, dass das Fellbündel einst gelebt hatte. Er streichelte seinem toten Kater das getigerte, struppige und nun kalte Fell, in der Hoffnung, dass er jeden Augenblick wieder zum Leben erwachte, und weinte. Die Augen des Katers waren weit geöffnet, doch von der störrischen kleinen Katzenseele war nichts mehr zu erkennen.

„Fluxus, mein lieber Fluxus, was ist dir bloß passiert?“

Agent Orange musste würgen, wand sich grunzend aus dem viel zu weichen Bett und watschelte, so schnell er konnte, über den kalten Fliesenboden im Flur zum Badezimmer. Er setzte sich aufs Klo, und während er pinkelte, trank er, weit ins Waschbecken gelehnt, gierig aus dem Wasserhahn. Seine Hände stanken und sein Kopf dröhnte. Wieso war bloß der Kater gestorben? Agent Orange konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ihm war schwindelig und in seiner morgendlichen Routine stelle er sich gemächlich auf die Waage. Er spickte über seinen Bauch hinweg auf die digitale Anzeige: hundertachtundzwanzig Kilogramm. Er bewegte sich ein wenig, bis die Waage hundertsiebenundzwanzig Komma fünf anzeigte und gab sich zufrieden.

„Halbes Kilo abgenommen“, murmelte er, strich sich den struppigen roten Bart, der sein Doppelkinn gut versteckte, glatt, steckte die Füße in seine ausgetretenen Fellpantoffeln und schlappte, in T-Shirt und Unterhosen in die kleine dunkle Küche seiner winzigen Erdgeschosswohnung.

„Erstmal brauche ich einen Kaffee und eine Kippe. Danach kann ich mit klarem Kopf nachdenken“. Sein Blick fiel auf die leeren Futterschalen von Fluxus, er schluckte und Tränen schossen ihm in die Augen. Er versuchte, sich darauf zu konzentrieren, mit mechanischen Handgriffen den Espressokocher mit Wasser und Kaffee aufzufüllen, während sein Blick die Küchenzeile nach Zigaretten absuchte. Auf dem Küchentisch lagen einige vertrocknete Orangenschalen, die als Aschenbecher dienten. Darin fand er einen halben Joint.

„Scheiß auf den klaren Kopf“, entschied er und stellte den Toaster an. Die Packung billigen Toastbrots war komplett verschimmelt. Er ärgerte sich, beim Kauf nicht auf das Verfallsdatum geachtet zu haben und zündete umständlich und vorsichtig, damit er sich den Bart nicht versengte, den Joint am Toaster an. Mit einem lauten Sog atmete er den Rauch tief ein, holte eine halbwegs saubere Tasse vom Tisch und öffnete den Kühlschrank. Er nahm die Packung Milch aus der Kühlschranktür und goss sie in den Becher.

„Aaah, pfui!“ Die Milch schwappte in großen Brocken in die Tasse und der säuerliche Gestank verursachte Agent Orange einen weiteren Brechreiz.

„Was für ein Scheißtag!“ Er nahm sich eine andere Tasse, füllte sie mit Kaffee und setzte sich rauchend an den Küchentisch, rieb sich die Stirn und versuchte, sich an den letzten Abend zu erinnern. War der Kater gestern noch am Leben? Wie hatte er denn das Sterben der Katze verschlafen können? Dem Geruch nach musste er schon eine Weile tot sein. Die Milch war sauer und das Brot verschimmelt, so als ob er zwei Wochen lang im Koma gelegen hatte.

„Vielleicht sollte ich eine Weile lang nicht trinken“, nahm er sich vor und wusste selbst, dass das nicht sehr wahrscheinlich war. Schließlich arbeitete er mehrmals pro Woche in einer Bar.

Mit dem Joint zwischen den Zähnen kramte er eine alte Einkaufstüte unterm Waschbecken hervor und ging ins Schlafzimmer, um den Kater einzupacken. Er fühlte sich dem Kater gegenüber schuldig, weil er sich so sehr vor ihm ekelte.

„Ich nehm dich mit zu Angela, Fluxus. Dort können wir dich anständig beerdigen.“

Er suchte sich seine Hosen und seinen Pulli, die verstreut auf dem Boden herumlagen, zusammen, zog sich an, setzte seine Brille auf, schnappte sich seinen Schlüssel von der Ablage neben dem Eingang und verließ, mit dem toten Kater in der Einkaufstüte, die Wohnung.

„Da sind Sie ja, Herr Orange!“

„Hallo, Frau Schmidt!“ Ohne nach oben zum Fenster zu schauen, von wo aus seine Vermieterin zu ihm herunter rief, zog Agent Orange den Kopf ein und ging weiter auf das Gartentörchen zu.

„Warten Sie!“ Seine Vermieterin konnte wirklich nerven, und Agent Orange hatte wenig Lust, sich mit ihr über ihren Hexenschuss zu unterhalten oder sich den Tratsch über die anderen Nachbarn anzuhören.

„Sie haben diesen Monat noch keine Miete bezahlt! Wann machen Sie das?“ „Ich kümmere mich morgen drum, Frau Schmidt, in Ordnung?“

„Ja, tun Sie das bitte, Herr Orange. Ich verlass mich drauf! Sie wissen doch, dass auch ich meine Rechnungen bezahlen muss!“ Wutschnaubend, doch offensichtlich mit seiner Antwort zufrieden, schloss sie das Fenster.

Nasses Laub bedeckte den Weg zu seinem Eingang. Immerhin hatte Frau Schmidt sich nicht auch noch darüber beschwert. Er warf die Gartentür hinter sich zu und schlenderte die Straße entlang. Hier war Fluxus ihm einige Monate zuvor einfach hinterhergelaufen. Er war ihm mit seiner typischen Selbstverständlichkeit in die Wohnung gefolgt und bei ihm eingezogen. Nun war er tot. Agent Orange hatte es immer noch nicht richtig begriffen und die sanfte weiche Wolke des Joints hatte eine wattige Pufferzone zwischen ihm und der harten Realität geschaffen.

Er unternahm einen Umweg zum nahe gelegenen Supermarkt. In seiner ausgebeulten Hosentasche kramte er nach Kleingeld und zählte, ohne das Geld herauszunehmen, die losen Münzen. Genug. Sein Job in der Bar brachte ihm nicht viel Geld ein, doch das Trinkgeld, das sich in seiner Hosentasche ansammelte, reichte normalerweise aus, um die täglichen Lebensmittel zu bezahlen.

Im Supermarkt ging Agent Orange zielstrebig zum Tiefkühlregal und entschied sich für eine Salamipizza mit extra viel Käse. Er packte eine Flasche Cola, eine Flasche Wein und ein Netz Orangen in seinen Einkaufskorb. Als er am Katzenfutterregal vorbeiging, wurde er traurig. Fluxus. Er warf einen Blick in die Plastiktüte, auf den steifen kalten und stinkendenden Katzenkörper und mit einem dicken Kloß im Hals legte er eine Dose von Fluxus Lieblingskatzenfutter in den Einkaufskorb. Die würde er ihm mit ins Grab legen. Er kaufte auch einen Strauß blauer Blumen und bezahlte alles mit seinem vielen Kleingeld, das die Kassiererin genervt und umständlich zählte. An die seltsamen und vorwurfsvollen Blicke der anderen Kunden hatte sich Agent Orange schon vor langer Zeit gewöhnt. Er wusste, dass er auffiel. Er war dick, trug einen langen roten Bart, bezahlte ausschließlich mit Kleingeld und heute hatte er noch dazu eine Tüte mit einer toten Katze dabei, für die er Katzenfutter kaufte. Die Leute hatten wahrscheinlich recht, wenn sie sagten, er sei ein komischer Kauz.

„Würden Sie bitte aufhören, mir mit Ihrem Einkaufswagen in den Arsch zu fahren?“, sagte Agent Orange mit seiner ruhigen, freundlichen Stimme zu der Frau, die hinter ihm an der Kasse stand und ungeduldig mit ihrem Einkaufswagen, in dem ein quengelndes Kleinkind saß, nach vorne drängelte. Sie schaute ihn empört an und hielt sich energisch an ihrem Einkaufswagen fest. Agent Orange packte gelassen seine Einkäufe ein und schlenderte gemütlich weiter.

Durch den kalten Herbstregen spazierte Agent Orange die Straße durch das spießige Wohngebiet entlang und ging in Richtung U-Bahn-Station. Von dort aus folgte er den Bahngleisen, bis er zu einer Schrebergartensiedlung kam. Angela wohnte in einem kleinen Gartenhäuschen direkt neben den Gleisen. Sie hatte keinen Stress mit irgendwelchen Vermietern oder Nachbarn, ihren eigenen kleinen Gemüsegarten und außer den vorbeifahrenden Zügen, an die man sich gewöhnen konnte, störte nichts und niemand ihre Tätigkeit als Drogendealerin. Angela war Mitte vierzig. Die Haare trug sie aus praktischen Gründen, wie sie sagte, kurz und sie war so etwas, wie eine urbane Aussteigerin. Früher hatte sie einmal in einer Bank gearbeitet, doch das war ihr zu langweilig geworden. Seit sie ein wenig Geld und das Gartenhäuschen geerbt hatte, hatte sie sich zur Ruhe gesetzt.

Agent Orange öffnete das wacklige hölzerne Gartentörchen und ging den kleinen Weg entlang bis zur Hütte. Er klopfte drei Mal an die Holztür.

„Angela! Ich bin´s!“, rief er und stand geduldig vor der Tür.

„Agent Orange! So eine Überraschung! Einen Moment! Ich bin gleich soweit!“, rief Angela aus dem Inneren der Hütte. Es rumpelte und eine Minute später öffnete sie ihm die Tür. Süße Rauchschwaden entwichen der kleinen Kammer und Agent Orange ging hinein in den Nebel.

„Oh, hi.“ Angela hatte Besuch. Agent Orange war nicht erfreut darüber, denn er hatte gehofft, den Tag mit Angela alleine zu verbringen. Dennoch war es nicht ungewöhnlich, dass sie Besuch oder Kundschaft hatte. Dieses Mal saß ein nicht allzu großer dunkelhaariger Mann mit gegelten Haaren und einer Art Herrenhandtasche, die Agent Orange albern fand, auf dem Schoß am Küchentisch und kiffte. Er sah ihn an und grinste ihn mit roten Kaninchenaugen an.

„Hi, Agent Orange. Ich hab schon viel von dir gehört!“ Der Mann reichte ihm die Hand.

„Wie geht´s?“ Agent Orange schüttelte die Hand des Fremden, doch bevor er ihn nach seinem Namen fragen konnte, wurde er von Angela unterbrochen.

„Was ist das?“, fragte sie und griff neugierig nach den beiden Einkaufstüten. Die Neugierde in ihrem Blick verwandelte sich augenblicklich in Ekel.

„Aaaah! Fluxus!“ Sie ließ die Tüten fallen und schrie in Richtung des bleichen Agent Oranges: „Wieso ist der Kater tot? Wieso bringst du ihn her? Bist du jetzt völlig durch?“ Angela wusch sich die Hände und rieb sie sich an ihrer ausgebeulten grauen Jogginghose trocken.

Agent Orange setzte sich zu dem Mann mit den gegelten Haaren an den Tisch.

„Ich dachte, wir könnten ihn vielleicht in deinem Garten oder so beerdigen. Es ist o. k., wenn du das nicht möchtest.“ Agent Orange konnte seine Tränen kaum zurückhalten und starrte auf den Tisch. Der Fremde reichte ihm den Joint und klopfte ihm auf die Schulter.

Angela ging zu ihm rüber, umarmte ihn und tätschelte seinen Bauch, der daraufhin wackelte, wie Pudding.

„Natürlich können wir ihn hier beerdigen.“ Zu ihrem Besucher, der am Tisch auf der einfachen Holzbank saß, sagte sie:

„Du hast alles, was du brauchst, ja?“ Der Besucher verstand ihren Wink, packte seine Papers und die Zigarettenschachtel, die zerfleddert auf dem Tisch lag, ein, zog sich eine schicke Trekkingjacke an und sagte:

„Danke. Viel Spaß bei der Beerdigung.“ Zu Agent Orange sagte er nichts, sondern nickte ihm kurz, fast unmerklich zu, gab Angela einen Klaps auf den Hintern und ging.

„Wer war denn das?“ Agent Orange war neugierig. War das etwa ihr Liebhaber? Angela war nicht gerade das, was man sich unter einer hübschen Frau vorstellte. Sie war mittelgroß, Mitte vierzig, hatte eine mittelmäßige Figur und bevorzugte neben ihrem praktischen Kurzhaarschnitt auch praktische Kleidung, wie sie es nannte. Heute war das ein mausgrauer und ausgebeulter Jogginganzug.

„Das war ein Freund meiner Schwester. Kauft manchmal Gras. Redet immer über Verschwörungstheorien. Willst du einen rauchen?“

„Ich hab Pizza mitgebracht.“ Agent Orange deutete auf die Tüte mit den Einkäufen, holte ein Marmeladenglas voller Gras aus dem Oberschrank, setzte sich auf die Bank, auf der zuvor der Verschwörungstheorienfreund der Schwester gesessen hatte, und fing an, einen Joint zu bauen.

„Ich weiß nicht, warum Flux tot ist. Als ich aufgewacht bin, lag er tot und vergammelt im Bett. Er sieht ja aus, als wäre er schon seit Wochen tot. Vielleicht hat er eine Art Rattengift gefressen? Irgendwas, was den Verwesungsvorgang beschleunigt? Womöglich hat die Schmidt ihn vergiftet?“

„Das glaube ich nicht. Wieso sollte sie ihn denn vergiften? Ich dachte, sie mag ihn, weil er die ganzen Mäuse frisst.“ Sie öffnete die Einkaufstüte und nahm erfreut die blauen Blumen heraus.

„Sind die etwa für mich? Danke!“ Angela strahlte über das ganze Gesicht.

Agent Orange zögerte. „Die waren eigentlich für Fluxus gedacht.“

„Oh, o. k.“ Sie legte die Blumen beiseite und holte die Pizza aus der Tüte. „Katzenfutter?“

„Für Fluxus. Das war seine Lieblingssorte.“ Agent Orange wusste, dass er womöglich übertrieb, doch er fühlte sich Fluxus gegenüber schuldig und wollte seinen Tod irgendwie wieder gutmachen.

Angela nahm die Tiefkühlpizza aus der Plastikverpackung, brach sie in zwei Hälften und legte sie auf ein Backpapier. Obwohl Angela in dieser kleinen Hütte hauste, war sie erstaunlich gut ausgestattet. Die Hütte hatte eine kleine Küchenzeile, ein Schlafsofa und ein kleines Badezimmer, ähnlich wie in einem Wohnwagen. Angela nahm ein Stück Gruyere aus dem Kühlschrank und mit einem großen Messer schnitt sie umständlich dicke Scheiben ab, die sie auf die Pizza legte.

„Die Pizza hat schon extra Käse drauf“, bemerkte Agent Orange.

„Mehr Käse ist immer besser. Da kann man gar nichts falsch machen“, grinste Angela. „Sollen wir erst Fluxus begraben und dann essen?“, schlug sie vor, stellte den kleinen Toastofen an und legte die Pizza hinein.

„Es ist unfair, wie dünne Leute sich so viel Käse erlauben können, ohne dass sie fett werden“, grummelte Agent Orange, zündete den Joint an und zwängte sich hinterm Tisch hervor.

„Wo willst du ihn begraben?“, fragte er.

„Unterm Kastanienbaum. Da regnet´s nicht so arg und wir werden nicht komplett durchnässt.“ Während sie sich die schweinchenrosa Gummistiefel anzog, schaute Agent Orange in die Tüte mit dem toten Kater und blies Rauch hinein. Er sah aus dem Fenster und ein Zug donnerte vorbei.

„Na komm, mein Lieber. Du warst mir ein guter Freund.“ Er atmete tief durch und seufzte.

Mit dem Katzenfutter, den Blumen und der toten Katze gingen sie hinaus in den kalten Regen. Angela ging voraus. Sie kreuzte mehrere Grundstücke, bis sie in einem kleinen Geräteschuppen einer ihrer Nachbarn verschwand und mit einem Spaten in der Hand wieder herauskam.

„Den brauchen wir.“

Unterm Kastanienbaum begann Agent Orange, ein kleines Loch auszuheben. Als er sich endlich mit der Form und Größe des Lochs zufriedengab, legte Agent Orange die Tüte mit der toten Katze in das Loch.

„Mit der Tüte? Du kannst doch hier kein Plastik vergraben!“ Angela war empört. Agent Orange stand breitbeinig, mit einem Fuß links und dem anderen Fuß rechts vom Loch über dem Grab und beugte sich vornüber, um die Katze aus der Tüte zu schütteln. Er legte die Dose Katzenfutter dazu und begann, die ausgehobene Erde wieder aufzuschütten.

„Willst du denn gar nichts sagen?“, wunderte sich Angela.

„Nein.“

Nachdem er das Grab schweigend und vor Anstrengung laut schnaufend zugeschüttet hatte, legte er die Blumen darauf und sie gingen zurück in die Hütte, um Pizza zu essen.

 

Der Käse zog dicke Fäden, als Agent Orange und Angela genüsslich und schmatzend Stück für Stück der Pizza vernichteten.

„Wo warst du eigentlich die letzten Wochen? Ich hab dich gar nicht gesehen.“

„Was meinst du denn?“ Agent Orange wunderte sich. Ihm war nicht aufgefallen, dass sie sich nicht begegnet waren. Normalerweise kam er einmal pro Woche bei Angela vorbei. Nicht nur um Gras zu kaufen, sondern aus Freundschaft und um mit ihr abzuhängen. Sie teilten den gleichen Geschmack für Musik und Fernsehserien, liehen sich gegenseitig Bücher aus und lästerten über den Rest der Welt.

„Hm. Wo war ich bloß?“ Agent Orange strich sich durch den Bart und dachte nach. Er konnte sich wirklich nicht erinnern. Das Letzte, was er wusste, war, dass er mit ein paar Freunden in der Bar getrunken hatte.

„Musst du heute nicht arbeiten?“, fragte Angela. „Es ist doch Mittwoch.“

„Ja, mittwochs arbeite ich. Stimmt.“ Er nickte und sah auf die Uhr. Es war später Nachmittag am dreiundzwanzigsten November. Ein Mittwoch.

„Ich geh dann mal“, nuschelte Agent Orange, nahm einen letzten Zug vom Joint und stand auf. Er sammelte seine nassen, erdigen Schuhe ein, die er draußen vor die Tür gestellt hatte, zog sie an und band sie angestrengt zu.

„Danke für die Beerdigung.“ Er atmete laut aus und zog die Mundwinkel zur Seite, um ein Lächeln zu forcieren.

„Danke für die Pizza. Kommst du mich nächste Woche wieder besuchen?“

 

„Ja, nächste Woche komm ich wieder.“ Er grinste bekifft und sie drückte ihm einen kleinen Plastikbeutel Gras in die Hand. Er warf einen kurzen Blick darauf und stopfte ihn sich dann in die vom Kleingeld ausgebeulte Hosentasche seiner braunen Cordhose und machte sich auf den Weg zur Arbeit in die Bar.